Wird die Pflegezusatzversicherung bald Pflicht?
Die Bundesregierung erwägt die Einführung einer Versicherungspflicht für die Pflegezusatzversicherung. Der Grund: Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung, in welcher jeder Bürger über seinen Krankenversicherungsträger versichert ist, reicht nicht mehr aus.
Dieser Vorschlag sorgt vielerorts für Entsetzen. Letztlich käme die Einführung einer Pflicht zur Pflegezusatzversicherung einer Einführung einer Pflicht zur Krankenzusatzversicherungen gleich. Versicherungsexperten raten schon seit Jahren zum Abschluss der Zusatzpolicen, weil der gesetzliche Schutz weder in gesetzlicher Krankenversicherung noch in Pflegepflichtversicherung ausreicht. Die Sozialversicherungen wären am Ende und so sollte jeder möglichst früh eine Zusatzpolice abschließen, so die Branchenkenner, weil man dort geringere Beiträge zahlt, je eher man abschließt.
Dass nun die Regierung über eine Pflicht zur Pflegezusatzversicherung nachdenkt, mutet wie ein Schuldeingeständnis an. Doch bislang interessieren sich die Bürger wenig für solche Zusatz-Policen. Die meisten sind immer noch verstimmt, dass die Medien ständig Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen heraufbeschwören, die dann mal kommen und mal doch nicht kommen sollen.
Dennoch sollte man sich wirklich mit der Zeit über Zusatzversicherungen informieren, denn zum einen ist es richtig, dass der Beitrag mit jedem Lebensjahr, das bis zum Abschluss der Police verstreicht, steigt. Zum anderen verschlechtert sich auch die Gesundheit, was eine Annahme gefährden oder zumindest Ausschlüsse oder Risikozuschläge mit sich bringen könnte. Außerdem ist es korrekt, dass die Sozialversicherungen finanziell am Ende sind. Das ist bei der Kranken- und Pflegeversicherung, aber auch bei der Rentenversicherung der Fall. Denn aufgrund der Bevölkerungsentwicklung gibt es immer weniger Beitragszahler und immer mehr Versicherte, die Leistungen abrufen. Wer mehr ausgibt und weniger einnimmt – das sagt schon das kleine Einmaleins der Wirtschaft – der wird am Ende mit einem großen Minus dastehen. Und wer Verluste einfährt, der muss weniger ausgeben oder mehr einnehmen – oder aber beides. Genau das macht der Staat bereits. Leistungen bei der Krankenversicherung werden gekürzt, Beiträge bei Kranken- und Pflegeversicherung angehoben. Eine Lösung des Problems stellt dieses Vorgehen jedoch auch nicht da. Denn um Fehler der Vergangenheit auszubügeln, müssten Einschnitte vorgenommen werden, die eigentlich kaum sozial verträglich sein dürften.